Bilanz beim Pressefrühstück: Erste Weichen gestellt – Klinikum, Haushalt und Sicherheit bleiben große Herausforderungen/ Neuer Video-Podcast „Mensch, Landrat!“ startet im August
100 Tage nach seinem Amtsantritt hat Landrat Marcel Schmidt beim Pressefrühstück in der Kreisverwaltung am 5. August eine erste persönliche Bilanz gezogen. Im Mittelpunkt standen seine Erfahrungen in den zurückliegenden drei Monaten an der Spitze des Landkreises, die aktuelle Situation des Elbe-Elster-Klinikums, die schwierige Haushaltslage sowie die Folgen des Angriffs auf Beschäftigte der Kreisverwaltung in Finsterwalde. Gleichzeitig kündigte Schmidt neue Formate an, mit denen er den direkten Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern weiter ausbauen möchte.
„Nach 100 Tagen kann man noch keinen Marathon bewerten – aber man erkennt, ob die Richtung stimmt“, sagte der Landrat. Die vergangenen Monate seien geprägt gewesen von intensiven Gesprächen, zahlreichen Vor-Ort-Terminen und dem Ziel, zunächst zuzuhören, bevor Entscheidungen getroffen werden. „Ich wollte verstehen, wo der Schuh drückt, was gut funktioniert, und wo wir besser werden können. Dieses Zuhören bleibt auch künftig die Grundlage meiner Arbeit.“
Schmidt betonte, dass ihn insbesondere die Offenheit und das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung sowie der Menschen im Landkreis beeindruckt hätten. Gleichzeitig sei ihm bewusst geworden, wie vielfältig und anspruchsvoll die Verantwortung eines Landrates sei. „Dieses Amt endet nicht um 16 Uhr. Viele Themen nimmt man mit nach Hause. Umso dankbarer bin ich meiner Familie, die diesen Weg mitträgt.“
Trotz zahlreicher Herausforderungen blickt der Landrat optimistisch auf die kommenden Jahre. Sein Anspruch bleibe unverändert: transparent handeln, Entscheidungen nachvollziehbar erklären und den Landkreis gemeinsam mit Kommunen, Wirtschaft, Ehrenamt und Bürgerschaft weiterentwickeln.
Neuer Video-Podcast startet im August
Ein sichtbares Zeichen für diesen Transparenzanspruch soll bereits im August folgen. Dann startet der neue monatliche Video-Podcast (Vodcast) „Mensch, Landrat!“.
Der Vodcast wird direkt in den Fluren der Kreisverwaltung produziert und soll aktuelle Themen verständlich, persönlich und ohne Verwaltungssprache erklären. Ob als Video auf YouTube und Facebook oder als Audio-Podcast unterwegs – Schmidt möchte regelmäßig Einblicke in seine Arbeit geben und auch schwierige Themen offen ansprechen.
„Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf zu wissen, woran wir arbeiten – ungefiltert und verständlich. Auch als Landrat koche ich nur mit Wasser. Ich habe keinen Zauberstab, aber ich möchte erklären, warum wir Entscheidungen treffen und welche Herausforderungen dahinterstehen.“
Die erste Folge beschäftigt sich mit den Erfahrungen aus den ersten 100 Tagen im Amt und der aktuellen Entwicklung des Elbe-Elster-Klinikums.
________________________________________
Hintergrund
Ankommen statt vorschnell urteilen
Marcel Schmidt beschreibt seine ersten Monate als intensive Orientierungsphase. Statt mit fertigen Konzepten aufzutreten, habe für ihn zunächst das Kennenlernen der Verwaltung, der Kommunen und der Menschen im Landkreis im Mittelpunkt gestanden.
Nach zahlreichen Gesprächen mit Beschäftigten, Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, Unternehmen und Vereinen sieht er eine große Stärke des Landkreises vor allem im Engagement seiner Bürgerinnen und Bürger sowie der hohen Fachkompetenz innerhalb der Kreisverwaltung. Diese Erfahrungen hätten ihn in seiner Überzeugung bestärkt, Entscheidungen künftig möglichst transparent und gemeinsam mit den Beteiligten vorzubereiten.
Elbe-Elster-Klinikum: Entscheidungen auf neuer Grundlage treffen
Als wichtigste politische Aufgabe bezeichnet Schmidt weiterhin die Zukunft der Gesundheitsversorgung im Landkreis.
Unmittelbar nach seinem Amtsantritt ließ er deshalb eine unabhängige Statusprüfung des Elbe-Elster-Klinikums durchführen. Hintergrund sind die seit 2023 deutlich veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen der Krankenhausreform.
Nach Auffassung des Landrates gehe es nicht darum, frühere Entscheidungen zu bewerten, sondern unter den heutigen Voraussetzungen tragfähige Lösungen zu entwickeln. Ziel bleibe eine qualitativ hochwertige und möglichst wohnortnahe medizinische Versorgung der Menschen im Landkreis.
Zwischenfall in Finsterwalde: Sicherheit hat höchste Priorität
Der Angriff auf Beschäftigte der Kreisverwaltung Mitte Juli habe ihn persönlich tief betroffen gemacht, erklärte Schmidt.
Unmittelbar nach dem Vorfall seien Krisenintervention, Sicherheitsdienst und eine umfassende Überprüfung aller Dienstgebäude eingeleitet worden. Gemeinsam mit der Polizei werde an weiteren organisatorischen und technischen Verbesserungen gearbeitet.
„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter treffen häufig schwierige Entscheidungen. Das gehört zu ihrem Beruf. Angst vor Gewalt darf aber niemals zu ihrem Berufsalltag gehören“, betonte der Landrat.
Haushalt: Größte Herausforderung der kommenden Jahre
Als langfristig größte Herausforderung bezeichnet Marcel Schmidt die finanzielle Entwicklung des Landkreises.
Die Entwicklung der Einnahmen hält nicht Schritt mit der Entwicklung der Ausgaben. Besonders steigende Sozial- und Personalkosten sowie geringere Einnahmen aus Schlüsselzuweisungen und Kreisumlage verschärfen die Situation. Nach derzeitigen Prognosen wird für 2026 ein Defizit von deutlich über 20 Millionen Euro erwartet.
Nach den Worten des Landrates gehe es bei der notwendigen Haushaltssicherung jedoch ausdrücklich nicht um einen pauschalen Sparkurs. Vielmehr sollen Verwaltungsabläufe überprüft, Digitalisierung konsequent genutzt und Prozesse effizienter gestaltet werden. Gleichzeitig werde jede frei werdende Stelle kritisch betrachtet, ohne die Leistungsfähigkeit der Verwaltung zu gefährden.
„Die Bürgerinnen und Bürger sollen möglichst wenig von diesen finanziellen Zwängen spüren. Gleichzeitig müssen Bund und Land endlich anerkennen, dass dauerhaft neue Aufgaben nur dann funktionieren, wenn sie auch ausreichend finanziert werden“, sagte Schmidt.
Foto Pressestelle Kreisverwaltung/ Tilo Wanka:
Pressegespräch 100 Tage im Amt mit Landrat Marcel Schmidt in der Kreisverwaltung in Herzberg.
Bild zur Meldung: Nach 100 Tagen im Amt: Landrat Marcel Schmidt setzt auf Transparenz, Klartext und gemeinsame Verantwortung