Landwirtschaft in Elbe-Elster: Leistungsfähig, vielfältig und vor großen Herausforderungen
Neuer Landwirtschaftsbericht 2023 bis 2025 zeigt Entwicklungen bei Anbau, Tierhaltung und Agrarförderung sowie Chancen und Risiken für die Betriebe im Landkreis
Rund 90.000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche, eine vielfältige Pflanzen- und Tierproduktion und Betriebe, die sich zunehmend auf veränderte klimatische und wirtschaftliche Bedingungen einstellen müssen: Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig und prägt zugleich das Landschaftsbild im Landkreis Elbe-Elster. Wie sich die Branche in den Jahren 2023 bis 2025 entwickelt hat, zeigt der neue Bericht zur Situation der Landwirtschaft, den das Sachgebiet Landwirtschaft im Amt für Veterinärwesen, Lebensmittelüberwachung und Landwirtschaft der Kreisverwaltung erarbeitet hat.
Dafür haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfangreiches Zahlenmaterial aus der Agrarverwaltung ausgewertet, anonymisiert und die Ergebnisse der drei Jahre miteinander verglichen. Der Bericht bietet damit einen fundierten Überblick über die wirtschaftliche Situation, strukturelle Veränderungen und Zukunftsperspektiven der heimischen Landwirtschaft. Er richtet sich an politische Entscheidungsträger ebenso wie an landwirtschaftliche Unternehmen und alle Interessierten. Die Kreisverwaltung erstellt einen solchen Bericht in der Regel zweimal je Wahlperiode des Kreistages.
Rund 90.000 Hektar prägen die Landwirtschaft
Die landwirtschaftlich genutzte Fläche ist im Betrachtungszeitraum weitgehend stabil geblieben. Von 2023 bis 2025 verringerte sie sich um rund 527 Hektar auf etwa 89.700 Hektar. Rund 73 Prozent werden als Ackerland genutzt, etwa 26 Prozent als Grünland und weniger als ein Prozent für Dauerkulturen.
Zu den wichtigsten Anbaukulturen zählen Mais, Roggen, Weizen und Gerste. Mais spielt sowohl für die Futterversorgung der Tierbestände als auch für die Biogasproduktion eine bedeutende Rolle. Charakteristisch für Elbe-Elster ist zudem der vergleichsweise ausgeprägte Sonnenblumenanbau. Auch Eiweißpflanzen wie Erbsen und Luzerne gewinnen an Bedeutung. Sie erweitern die Fruchtfolgen, verbessern die Bodenfruchtbarkeit und können den Bedarf an mineralischen Düngemitteln verringern.
Neben den klassischen Ackerkulturen gehören Sonderkulturen wie Sanddorn und Aronia sowie die Milch- und Fleischproduktion zum vielfältigen landwirtschaftlichen Profil der Region.
Klimawandel und Kostendruck belasten die Betriebe
Eine der größten Herausforderungen sind die natürlichen Standortbedingungen. Die überwiegend leichten, sandigen Böden und die häufig unzureichende Wasserversorgung machen die Landwirtschaft besonders anfällig für Trockenperioden. Hinzu kommen zunehmend extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Spätfröste und schwierige Erntebedingungen.
Wie stark sich diese Einflüsse auswirken, zeigt der Vergleich der Erntejahre. Nach einem schwierigen Jahr 2024 erholten sich die Getreideerträge 2025 deutlich. Im Landkreis stieg der durchschnittliche Ertrag von 42,6 auf 56,4 Dezitonnen je Hektar.
Gute Ernten bedeuten allerdings nicht automatisch gute wirtschaftliche Ergebnisse. Sinkende Erzeugerpreise bei gleichzeitig hohen Kosten für Energie, Dünger, Kraftstoffe, Maschinen und Personal schmälern die Gewinne. Hinzu kommen schwankende Agrarmärkte, fehlende langfristige Planungssicherheit und die wirtschaftlichen Folgen von Tierseuchen wie der Afrikanischen Schweinepest und der Geflügelpest.
Weniger Betriebe, Nachwuchs dringend gesucht
Der Strukturwandel setzt sich auch in Elbe-Elster fort. Die Zahl der Betriebe, die Direktzahlungen beantragten, sank von 376 im Jahr 2023 auf 346 im Jahr 2025. Besonders kleinere Betriebe im Haupt- und Nebenerwerb sind betroffen. Als wesentliche Ursachen nennt der Bericht die Altersstruktur und fehlende Hofnachfolgen.
Auch die Tierhaltung steht unter Veränderungsdruck. Während die Rinder- und Schweinebestände im Zuge des Strukturwandels zurückgehen, gewinnt die Geflügelhaltung an Bedeutung. Ein Beispiel für neue regionale Vermarktungswege ist das Projekt „Elbe-Elster-Ei“. Eine Erzeugergemeinschaft arbeitet daran, die Versorgung mit Eiern aus der Region zu stärken, Transportwege zu verkürzen und heimische Betriebe zu unterstützen.
Eine wichtige Zukunftsaufgabe ist die Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Der Bericht widmet deshalb auch der Ausbildung in den sogenannten grünen Berufen ein eigenes Kapitel. Ein Ausbildungsnetzwerk, an dem derzeit 34 Betriebe beteiligt sind, unterstützt die praktische Ausbildung und Nachwuchsgewinnung.
Förderprogramme unterstützen Landwirtschaft und Naturschutz
Einen breiten Raum nimmt im Bericht die Agrarförderung ein. Vorgestellt werden die Direktzahlungen der Europäischen Union, Fördermöglichkeiten für junge Landwirte, Ausgleichszahlungen für benachteiligte Standorte sowie Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen.
Diese Programme sollen die wirtschaftliche Existenz der Betriebe sichern und zugleich Leistungen für Natur, Umwelt und Klimaschutz honorieren. Dazu gehören beispielsweise die extensive Bewirtschaftung von Grünland, die Anlage von Blüh- und Ackerrandstreifen, der Schutz von Moorböden, die Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen und die Förderung des ökologischen Landbaus.
Im Jahr 2025 bewirtschafteten 35 geförderte Ökobetriebe rund 6.214 Hektar. Das entsprach einem Anteil von 6,92 Prozent der erfassten landwirtschaftlichen Fläche. Gegenüber den Vorjahren war dies ein Rückgang.
Auch die Imkerei findet Berücksichtigung. Der Landkreis unterstützt seit 2013 im Rahmen seiner Haushaltsmittel die Anschaffung von Bienenvölkern durch Neuimker sowie Maßnahmen zur Bekämpfung der Varroamilbe. Im Jahr 2025 waren im Landkreis 401 Bienenhalter registriert.
Breiter Überblick mit Blick in die Zukunft
Der Bericht beleuchtet darüber hinaus die Entwicklung des Boden- und Pachtmarktes, landwirtschaftliche Investitionen, Düngung und Energiepflanzenanbau. Zahlreiche Tabellen und statistische Übersichten machen Veränderungen über die drei Berichtsjahre nachvollziehbar.
Im abschließenden Kapitel werden die Zukunftsperspektiven der Landwirtschaft betrachtet. Chancen liegen insbesondere in der Digitalisierung, dem gezielteren Einsatz von Wasser und Betriebsmitteln, klimaangepassten Anbauverfahren sowie der stärkeren regionalen Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse.
Deutlich wird dabei: Landwirtschaft in Elbe-Elster bedeutet weit mehr als die Produktion von Lebensmitteln. Die Betriebe erhalten die Kulturlandschaft, sichern wirtschaftliche Wertschöpfung im ländlichen Raum und leisten wichtige Beiträge zum Arten-, Boden- und Umweltschutz. Damit sie diese Aufgaben auch künftig erfüllen können, brauchen sie wirtschaftlich tragfähige Bedingungen, verlässliche Rahmenbedingungen und gezielte Unterstützung.
Der Landkreis dankt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den weiteren Beteiligten, die mit ihrer fachlichen Arbeit und ihrem Engagement zur Erstellung des Berichts beigetragen haben.
Foto Pressestelle Kreisverwaltung/ Torsten Hoffgaard (KI-generierte Illustration/ OpenAI):
Landwirtschaft zwischen Tradition und Wandel: Die Getreideernte inmitten einer vielfältigen Agrarlandschaft steht beispielhaft für die leistungsfähige Landwirtschaft im Landkreis Elbe-Elster. Der neue Landwirtschaftsbericht 2023 bis 2025 beleuchtet ihre Stärken, wirtschaftlichen Herausforderungen und Zukunftsperspektiven.
Bild zur Meldung: Landwirtschaft in Elbe-Elster: Leistungsfähig, vielfältig und vor großen Herausforderungen